Dr. Tartsch zu 13 Arten Dschihad, Ta´leef al Qulub, Islamisierung oder Schariahtisierung westl. Gesellschaften

Dr. Tartsch zu 13 Arten Dschihad, Ta´leef al Qulub, Islamisierung oder Schariahtisierung westl. Gesellschaften

Aufgrund vielfacher Nachfragen zu den Themen الجهاد و الزكاة (al-Dschihad wa-z-Zakah) und Islamisierung oder Schariahtisierung als Gefährdung des freiheitlichen, säkularisierten Staates? verlinke ich hier diesen Artikel von mir aus 2012, der diese Fragen schon damals thematisiert hat:

http://www.citizentimes.eu/2012/06/27/gefahren-des-gewaltlosen-dschihad/

Er befasst sich mit:

– 13 Arten des Dschihad (nach dem bekannten saudi-arabischen ‚Alim Shaykh al-Munajjid), da Dschihad nur einen Oberbegriff für ein breites Spektrum von Anstrengung/Bemühung auf dem Weg Allahs mit frommer Absicht (al-Dschihad(u) fi sabil(i) li-lllah ma’a Niyya) darstellt, womit sowohl der gewaltlose al-Dschihad ad-Da’wah, als auch der gewaltsame al-Dschihad bi-S-Saif als Qital (Kampf) und Harb (Krieg) unter Dschihad fallen.

– Aufschlüsselung von Surah at-Tauba: Ayah Sit’tun (9:60) im Koran bezüglich der möglichen Verwendungarten der Zakah, die nur für Muslime untereinander verwendet werden darf, womit u.a. auch diejenigen finanzielle Unterstützung erhalten können, die eine Form des Dschihad ausüben.

– Das im Westen fast unbekannte Konzept von Ta´leef al Qulub, mit dem die „Feinde des Islam“ gewonnen werden sollen. Dieses Konzept kennen auch viele der heutigen Islamwissenschaftler und Orientalisten nicht mehr, weil solche Themen im Rahmen der fortschreitenden Politisierung des Fachgebietes nicht mehr gelehrt werden.

– Die Frage von Islamisierung oder Schariahtisierung als Gefährdung des freiheitlichen, säkularisierten Staates.
Hier im Sinne der Schariahtisierung beantwortet, da der Begriff Islamisierung im derzeitigen Diskurs unscharf definiert wird.
So bezeichnet Islamisierung bezüglich der sozialen Kategorie Muslime zunächst nur einen wachsenden Anteil von Angehörigen einer Religion per Definition an der Gesamtbevölkerung, was aber nicht immer zutrifft, wenn manche behaupten, jeder, der jetzt aus asch-Scharq al-Ausat (Mittlerer Osten) kommt, ist automtaisch ein Muslim, da auch viele orientalische Christen nach Europa kommen, da das orientalische Christentum in vielen arabischen Ländern vor der Ausrottung steht, was im Westen kaum thematisiert wird, während man von Muslimen öfter die Frage hört, warum man dieses zulässt.
Zum anderen sehen sich etwa Angehöriger religiöser Gruppen, wie die kurdisch-türkischen Alevî, in quantitativ nicht unerheblicher Zahl als eigene Religionsgruppe, was in der Türkei seit den Tagen der Kemalisten abgelehnt wird, womit diese einer rigiden religiösen Homogenisierungspolitik der Sunnitisierung unterliegen, während die Anerkennung des Status einer eigenen Religionsgruppe verwehrt wird:

http://www.heilbronn-akm.de/index.php/de/alevitentum/82-aleviten-in-der-t%C3%BCrkei.html

Gleichwohl zählen viele die Alevî zum Islam, obwohl das nicht generell zutrifft.
Sondern man vielmehr die Bemühungen bez. der Anerkennung als eigene Religionsgruppe unterstützen sollte.
Zum anderen besteht die Gefahr von Essentialismus (Prof. Ebrahim Afsah, Instructor meiner 2015 Weiterbildung Geschichte und Entwicklung des Rechts (Fiqh, Siasa, Schariah) islamische Welt), wenn ich die soziale Kategorie Muslim mit dem Begriff „Islam“ überforme und dann sage, ich kann jeden Gedanken und jede Handlung „des Muslim“ voraussagen, weil beide eine nicht auflösbare Einheit bilden.
Damit nimmt man sich jede Möglichkeit der Bearbeitung der Thematik im Rahmen der Gewinnung von Erkenntnissen zur Ableitung von Handlungsmaximen für ein lösungsorientiertes Issue-Managment, da ich schon als Nichtangehöriger zur islamischen Religion nicht sagen kann, was „wahrer Islam“ ist. Und wer hier „den Islam missbraucht“.
Sondern ich nur sagen kann, welche Formen von Islamverständnis, Islamauslegung und Islamauslebung auf gesellschaftlicher und sicherheitspolitischer Ebene eine Bedrohung der verfassten Ordnung und des gesellschaftlichen Zusammenlebens darstellen. Und welche nicht.

Dies gilt etwa dann, wenn eine Schariahtisierung einer bestehenden Gesellschaft angestrebt wird, die bislang nicht von der islamischen Religion durchdrungen ist:

„Das Endziel besteht damit in der Errichtung einer Nomokratie, die die im säkularen Staat bestehende Trennung von weltlicher und religiöser Sphäre überwinden soll, um das von Allah gewollte politische und sozio-ethische Gefüge der „besten Gemeinschaft, die das Rechte gebietet und das Unrechte verbietet“ (3:110) zu verwirklichen. Dadurch werden persönliche und staatliche Sphäre einem religiösen Begründungszusammenhang unterworfen, der in der Scharia als eine die ganze Existenz überformende Handlungsanweisung und Grundlage einer ganzheitlichen Lebensweise (Dīn) seinen Ausdruck findet, da die Scharia in ihrer Gesamtheit als das von Allah den Muslimen auferlegte und durch Koran und Sunnah übergebende Gesetz definiert werden kann.
Aufgabe des säkularen und wertepluralistisch ausgerichteten Staates muss es also sein, jede Religion in einer Minderheitenposition zu belassen und denjenigen religiösen Gruppen wirksam zu begegnen, die aus dem allgemein gewährten Freiheitsrechten politische Forderungen ableiten, um diesen Staat langfristig abzuschaffen.
Eine nichtislamische Gesellschaft wird dabei nicht erst mit der Einführung der immer angeführten Körperstrafen des islamischen Strafrechts schariatisiert, sondern schon mit der Geltung von Achlaq, der islamischen Moral und Sittlichkeit, die im rechtlichen Teil der Scharia geregelt wird, was primär die rigide Geschlechtertrennung, die Verweisung der Frau in den privaten Raum und das Gebot der Verhüllung vom Hijab bis zum Niqab betrifft, die die sozio-ethischen Grundlagen einer schariatisch ausgerichteten Gesellschaft bilden.“
Siehe zu den Strategien „al-walāʾ wa-l-barāʾ“ und „al-ḥisbah“, mit denen die Schariahtisierung westlicher Gesellschaften von Teilen des organisierten Islam, europäischen Muslimbrüdern, Salafisten und durch Da’wah Aktvititäten von Saudi-Arabien vorangetrieben wird, den Beitrag von Dr. Amer Albayati (ILMÖ) und mir:
https://ameralbayati.wordpress.com/2016/04/03/albayatitartsch-gegen-die-angst-in-der-diskussion-ueber-die-thematik-islam-und-gewalt-verbot-der-radikalen-islam-szene-notwendig-2/

Insoweit im Rahmen einer zukünftigen Diskussion über Islam, Gewalt und Schariah zunächst eine Eingrenzung und objektive Definition der zu behandelnden Themengebiete erfolgen muss, damit es nicht wieder eine der üblichen weiße Elefanten Diskussion wird, die uns die letzten 10.15 Jahre keinen Schritt vorangebracht haben, da Romantik der Gefühle und subjektive Einstellungen eine entemotionalisierte Debatte verhinderten, da man alle möglichen Begrifflichkeiten zusamenrührte, bis ein unverdaulicher Brei entstand, der seither immer wieder aufgewärmt wird.
Plus des seit Mitte 2015 zu konstatierenden zunehmenden Verfalls politischer Kommunikation postdemokratischer Prägung (Colin Crouch), da Verlauf und Ergebnis der jetzigen Islam Diskussion von den auf Zeit Regierenden vorgegeben wird, womit sich das notwendige Grundvertrauen zwischen diesen und den Regierten immer weiter auflöst.
In den ILMÖ Jahresberichten 2016 bin ich in meinem Beitrag darauf eingegangen:

http://www.initiativeliberalermuslime.org/jahresbericht-11-01-2016/

Wenn ich wieder mehr Zeit habe, da sich die einschlägig bekannte Angelegenheit im EU Parlament demnächst strafrechtlich entfalten wird, werde ich auf die Anforderungen für politische Parteien eingehen, wenn diese in der Thematik eine breite gesellschaftliche Verankerung erzielen wollen.

Dr. Albayati hat hierzu aktuell grundlegende Überlegungen skizziert, weil alle diesen HotSpot Themen miteinander verbunden sind:

http://www.andreas-unterberger.at/2016/05/sind-sterreich-und-europa-auf-die-flchtlingsflut-vorbereitetij/

Dr. Thomas Tartsch
Berater Initiative Liberaler Muslime in Österreich (ILMÖ)

http://www.initiativeliberalermuslime.org/
https://ameralbayati.wordpress.com/
http://www.thomastartsch.org

Auf der Todesliste des IS:
https://www.amazon.de/dp/3902924543/ref=cm_sw_em_r_mt_dp_KHevxbJSRDCHE

Muhammads Erbe. Dschihad, Dhimmi, Tötungs- und Bekämpfungsvers:
https://www.amazon.de/dp/3941147048/ref=cm_sw_em_r_mt_dp_bKevxbH42ZQ9Z

Copyright und alle Rechte: Bei den jeweiligen Autoren bzw. Albayati/Tartsch

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s