Droht der WENA-Region das Chalifat

Zur Versachlichung der aktuellen Diskussion um die innere Sicherheit – WENA-Region sicherste Region bezüglich der Gefährdung durch Salafi Dschihadi Terrorismus

Zwei aktuelle Grafiken von Beth Schwartz/ START (National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism – University of Maryland); 06.01.2017, wo ich auch schon eine Weiterbildung im Bereich Terrorism-Counterterrorism absolviert habe, auf Grundlage der Global Terrorism Database (GTB).

Diese verdeutlichen, warum die WENA-Region (Westeuropa-Nordamerika), trotz der gestiegenen Anzahl terroristischen Anschläge seit Anfang 2015 aus dem Spektrum des gewaltsam, panislamisch und global ausgelegten Salafi Dschihadismus, immer noch die sicherste Zone bez. terroristischer Bedrohungen auf globaler Ebene darstellt.

Dies zur Versachlichung der aktuellen Sicherheitsdebatte, da auch in den nächsten Jahren in der WENA-Region mit Anschlägen auf dem Niveau des Low Level Terrorism zu rechnen sein wird, die eine überschaubare Anzahl von Soft Targets fordern werden.

Diese ist aber nicht zu vergleichen ist mit der Zahl von täglichen Soft Targets in der MENA-Region (Middle East-North Africa) und Südasien – AFPAK (Afghanistan/Pakistan) durch den Salafi Dschihadi Terrorismus, wobei rund 90 – 95% der Opfer dortiger Anschläge Muslime waren, sind und sein werden.

Diese terroristischen Akte aber keine verfasste Ordnung in der WENA-Region in den Grundfesten erschüttern können.

Außer, man spielt das Spiel der Salafi Dschihadis mit und macht das, was durch Terrorismus als strategische Kommunikation erreicht werden soll, weil die Dschihadis in direkter militärischer Konfrontation gegen den als Feind angesehenen wegen fehlender Man- and Firepower unterlegen sind.

Sunzi schreibt dazu in „Die Kunst des Krieges“: Derjenige, der sich auf die Kriegsführung versteht, ist in der Lage, den Feind zu dirigieren.

  • Erstens die Brechung des Verteidigungswillens, da derzeit die Resilience (psychische Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung gegen die Folgen erfolgreicher Anschläge) marginal ausgeprägt ist, womit eine bestimmte Weltsicht durch Terrorismus als Tool zur Verbreitung von Angst und Schrecken und Form psychologischer Kriegsführung aufgezwungen wird, die mit der Realität nicht kongruent geht (Subjektives Sicherheitsgefühl und Angst, Opfer eines Anschlages zu werden – Objektive Gefährdungslage und statistische Wahrscheinlichkeit, Soft Target zu werden).

Erfolge konnte der Salafi Dschihadismus in diesem Bereich in Ländern wie Ägypten, Tunesien und der Türkei erzielen, weil die jeweilige Tourismus-Branche empfindlich getroffen wurde, da viele westliche Urlauber ihren Urlaub aus Angst vor Anschlägen dort nicht mehr verbringen, womit hohe ökonomische Schäden entstehen (Economic Jihad), die zu sozial-politischen Eruptionen führen können, womit die verfassten Ordnuneng destabilisiert werden.

  • Zweitens die gesellschaftliche Spaltung entlang bestehender ethnisch-religiöser Bruchlinien, um neue Anhänger zu rekrutieren und eine „Die gegen Uns“ Dichotomie zu generieren, durch die desintegrativ wirkende und  gewaltaffine  Salafi Dschihadi Gegengemeinschaften innerhalb der Gesamtgesellschaft etabliert werden sollen, die den gewaltsamen al-Dschihad bi-as-Saif wa ar-Ramah (Die Anstrengung/Bemühung mit Schwert und Speer) als Ausformung eines faktischen Bürgerkrieges in der WENA-Region ausüben, um langfristig auch die WENA-Region in ein Chalifat umzuwandeln.

So für Europa das DAESH E-Book „Black Flags from Rome“ aus dem Frühjahr 2015, welches auch die gezielte Einschleusung von Kämpfern nach Europa über das Mittelmeer explizit anführt, um den gewaltsamen Dschihad nach Europa zu exportieren.

Bekanntlich hatte DAESH schon im Sommer 2014 die Gründung einer dschihadistischen Kampffront gegen den Westen geplant, was man damals in einem Artikel der libanesischen Tageszeitung „as-Safir“ nachlesen konnte, die über sehr gute Kontakte vor Ort verfügt. Wie immer, hat man im Westen solche Warnungen nicht beachtet, die auch von mir damals ausgesprochen wurden.

  • Drittens entbindet die objektive Sicherheitslage die politisch Verantwortlichen nicht, notwendige Reformen und Ergänzungen in der Sicherheitsarchitektur vorzunehmen, da der Anschlag in Berlin die existenten Mängel auf nationalstaatlicher und europäischer Ebene aufgezeigt hat, während die Anzahl erkannter „Gefährder“ beständig ansteigt, wobei das Dunkelfeld nicht erkannter Gefährder und eingeschleuster Kämpfer nur in Annäherung geschätzt werden kann.

Ebenso wie die die Zahl von Foreign Fighter Rückkehrer aus ash-Sham, da eine unbekannte Anzahl nicht auf dem Radar der Sicherheitsbehörden auftauchten, als diese die Hidschra (den Auszug) ins DAESH Chalifat und zu anderen lokalen Salafi Dschihadi Gruppen wie al Qaidah in Syrien (an-Nusrah) oder Ahrar ash-Sham vollzogen. Damit auch die Rückkehr nicht aktenkundig wurde.

Hier empfehle ich im Rahmen einer holistisch angelegten Strategie des Counterterrorism und Countering Violence Extremism (CVE)  das Konzept von at-Tariq al-Ausat (Der Weg der Mitte) zwischen Relativierung und Generalisierung, um die Bereiche Prävention, Repression und Intervention den kommenden Herausforderungen entsprechend anzupassen, da die derzeitige politisch-gesellschaftliche Diskussion zum Thema oftmals in kleinere weiße Elefanten Diskussionen versandet, die nicht zielführend sind, weil die Bevölkerung keine verbale Rabulistik, Panikmache und überzogene Schreckensszenarien hören wollen, sondern angemessene und lösungsorientierte Antworten auf die existenten Bedrohungen erwarten, da es keine 100% Sicherheit in einer freien und offenen Gesellschaft gibt.

Sondern man die abstrakt bestehende Bedrohungslage  so weit wie möglich einhegen muss, um den Bodycount an Soft Targets in einer konkreten Gefährdungslage so weitgehend niedrig zu halten.

Dr. Thomas Tartsch

www.thomas Tartsch.org

Copyright und alle Rechte

Grafiken: START – GTD; Zitierung nur mit Angabe der Quelle:

http://www.start.umd.edu/news/terrorist-assassinations-region-target

Meine Ausführungen: Bei mir.

Den kompletten Text aus dem Artikel „China: Sunzi: Schwächen und Stärken“ finden Sie hier: http://www.china-guide.de/sunzi-schwaechen-und-staerken.html (c) Copyright www.china-reisefuehrer.com

Anhang: Grafiken START-GTB, 06.01.2017

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