Im Interview: Dr. Amer Albayati, Vorsitzender „Initiative liberaler Muslime Österreichs – ILMÖ“

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Dr. Amer Albayati, Vorsitzender der „Initiative liberaler Muslime Österreichs“ (ILMÖ). Bild: Dr. Albayati privat, mit freundlicher Genehmigung.

Im Interview: Dr. Amer Albayati, Vorsitzender „Initiative liberaler Muslime Österreichs – ILMÖ“

in Contra-Punkt, Contra-Spezial 26. März 2017

Dr. Amer Albayati wurde 1942 in Bagdad geboren und lebt seit 1980 mit seiner Familie in Wien. Der Journalist und Autor verlegte über 50 Bücher im arabischen Raum und wurde vielfach ausgezeichnet für seine 15 Dokumentarfilme sowie einen Spielfilm (der übrigens im Irak verboten wurde). Er gilt als profunder Islamkenner und -kritiker sowie als Experte für die terroristischen Auswüchse des radikalen Islamismus.

Albayati arbeitet nicht profit-orientiert und verzichtet sogar auf seine Tantiemen aus Buchverkäufen; allerdings ist er wegen seiner aufklärerischen Arbeit als friedlicher und unabhängiger Aktivist mittlerweile gezwungen, aufgrund von nicht weniger als 15 Morddrohungen sowie wiederholter Hasspostings von IS-Terroristen und radikalen Islamisten gegen seine Person, ein Leben auf ständiger Flucht zu führen. Für sieben Monate stand Albayati sogar rund um die Uhr unter Polizeischutz, inzwischen lebt er unter strengem Personenschutz – Einzelheiten dürfen aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden. Wer also, wenn nicht er, könnte uns einige drängende Fragen zum Thema „radikaler Islam“ beantworten?

Im deutschsprachigen Raum machte Dr. Albayati vor allem mit seinem Buch „Auf der Todesliste des IS – Ein Islam-Insider & Reformer als bedrohter Warner vor Radikalismus und Terror“ von sich reden, was dem ohnehin schon mehrfach mit dem Tode bedrohten Intellektuellen weitere Drohungen und Hasspostings einbrachte. Die von ihm gegründete „Initiative liberaler Muslime Österreichs“ (ILMÖ) engagiert sich vor allem darin, die österreichische Zivilgesellschaft vor der schleichenden Unterwanderung durch radikal-nationalistische, islamistische Kräfte wie zum Beispiel die dubiosen „Muslimbrüder“ zu warnen – egal welche Herkunft oder Nationalitäten diese sind. Allein der „Jahresbericht 2016“ oder die Presseaussendungen der ILMÖ sind höchst alarmierend; mit journalistischer Brillanz zählt Albayati Punkt für Punkt auf, welche radikalen Netzwerke aktiv sind, wer sie finanziert, wie sie vorgehen und vor allem, wie sie „ticken“. Angesichts der momentanen Zustände ist Dr. Albayati wohl eine der kompetentesten Ansprechpersonen, was Themen wie Islam und Integration von Moslems in Europa betrifft. Die Fragen stellte Marcello Dallapiccola.

MD: Herr Dr. Albayati, ohne Sie jetzt persönlich zu kennen gehe ich davon aus, dass wohl die allerwenigsten Österreicher ein Problem damit hätten, Sie zum Nachbarn zu haben. Was unterscheidet Sie von der großen Mehrheit der Muslime?

Dr. Amer Albayati: Der Unterschied ist wohl, dass es eine Minderheit von national-fundamentalistisch-konservativen Islamisten gibt, die von bestimmten Politikern und auch von so manchen Journalisten idealistisch und materiell stark unterstützt werden, auch in der Öffentlichkeit. Die Mehrheit der Muslime wollen mit diesen Leuten nichts zu tun haben; die meisten gehen ihrer Arbeit nach und verursachen kaum Probleme, führen ein normales Leben. Umgekehrt nutzen die radikalen Islamisten – wie etwa die Muslimbrüder – die Situation, dass ihnen Presse und Politik helfen, für ihren eigenen Profit und um ihren politisch organisierten Islam und dessen Dogmen durchzusetzen.

Ich persönlich bin wie viele geborene Muslime gut integriert; ich pflege gute Beziehung mit den verschiedensten Menschen und bin darüber hinaus in Verbindung mit vielen Politikern, Journalisten, Vereinen, usw. Außerdem versuche ich seit Jahren, einen Islam europäischer Prägung zu etablieren; das heißt einen Islam, der alle europäischen Werte zu respektieren hat. Die humanistische Weltanschauung hat über jedem Glauben zu stehen; nur so kann man versuchen, Europa vor den radikalen Islamisten und ihrer salafistisch-fundamentalistischen Islam-Auslegung zu retten. Vor dieser müssen wir Europa unbedingt bewahren, um eine weitere Zunahme von Hass, Gewalt und Terror zu verhindern, wie wir sie in den letzten Jahren bereits faktisch bemerken.

MD: Woran liegt es ihrer Ansicht nach, dass so viele Moslems Probleme haben, sich in die europäische Gesellschaft zu integrieren? – An der oft mangelnden höheren Bildung allein kann es nicht liegen; es gibt durchaus integrierte Moslems, die dieses „Kunststück“ auch mit Grundschulbildung schaffen.

Dr. Amer Albayati: Grund ist die allgemein falsche Erziehung. Nicht nur religiös – in den undemokratischen islamischen und arabischen Regimen werden die Menschen einfach komplett negiert. Dieses Vakuum haben die radikalen Islamisten mittels dubioser Organisationen ausgenützt. Die jeweiligen Regime haben das zu lange Zeit geduldet. Jetzt, da sie die Gefahren bemerken, die davon ausgehen, versuchen sie das zu ändern; allerdings viel zu spät. Deshalb haben die islamischen und arabischen Länder versagt!

Allerdings versuchen diese radikalen Islamisten seit Jahren auch, ihre Netze ebenfalls in Europa zu spinnen; viele Moscheevereine in Europa sind bereits unterwandert, oft auch mit Hilfe von bestimmten Politikern und Journalisten. Also fundamentalistisch-konservative Erziehung zu Hause, islamische Kindergärten und Schulen andererseits sind das Problem. Darüber hinaus gibt es in der islamischen Gesellschaft auch reiche und „negativ intelligente“ radikale Islamisten sowie Terroristen – und das leider in allen Schichten.

MD: Braucht es eine Art islamischer Aufklärung?

Dr. Amer Albayati: Sicher. Ich versuche seit Jahren Aufklärung zu betreiben durch Veröffentlichungen oder Vorträge, aber es ist nicht so einfach weil die Politiker noch nicht begriffen haben, dass Sie nur die radikalen Islamisten unterstützen. Islam-Reformer werden in ihren Herkunftsländern vernichtet, sogar getötet. Ich bin hier in Europa immer nur bedroht und nicht unterstützt worden. Sogar bekämpft hat man mich wegen der europäischen Wirtschaftsbeziehungen, also der Waffenlieferungen in die islamischen und arabischen Länder!

Wenn Europa nicht aufhört, die radikalen Islamisten-Ideologie zu unterstützen, dann darf es sich nicht wundern wenn Radikalismus, Gewalt und Terror ständig wachsen – wir sitzen hier längst auf einem Pulverfass.

MD: Was viele Europäer nicht verstehen ist die Aggression, mit der viele Moslems immer stärker auf die einheimische Gesellschaft reagieren. Das demonstrative Abgrenzen, die teilweise offen zur Schau gestellte Feindseligkeit. Würden diese Leute nur denselben Respekt zeigen, den man ihnen entgegenbringt, wäre vieles bedeutend einfacher. Weshalb verhalten die sich so?

Dr. Amer Albayati: Erziehung in den islamischen und arabischen Ländern ist von der Religion dominiert. Man wächst auf zwischen Angst, Sünde und Gottes Strafen – also autoritäre Disziplin ohne Freiheiten. Die europäischen Werte mit ihren vielen Freiheiten sind den meisten fremd, sie haben nie gelernt, damit umzugehen. Vor allem der sexistische Faktor und die Geschlechtertrennung von Kindheit an spielen eine große Rolle. Aus diesem Vakuum heraus handeln dann viele junge Männer aus diesen Ländern, sie agieren einfach drauflos weil sie nie den nötigen Respekt erlernt haben.

MD: Wenn man die Radikalisierung innerhalb des Islams auf einen Ursprung zurückverfolgt – wo landet man da? Kommt das radikale Element wirklich „aus dem Buch“ direkt, wie Hamed Abdel-Samad sagt, oder begann es mit dem Auftreten Al-Wahabs? Oder gar erst mit dem Sturz Mossadeghs?

Dr. Amer Albayati: Ich sehe den Grund eher in den konservativ-fundamentalistischen Gelehrten, die über die Epochen hinweg eigentlich historisch gesehen niemals Reformen betrieben haben. Das hat die Muslimbrüder in der Gegenwart veranlasst, ihre Grundsätze von dieser rückständigen und jihadistischen Seite bis heute für sich und gleich alle anderen Moslems mit zu proklamieren. Dieser Ideologie zufolge muss man nur im Jihad sterben, um als Märtyrer ins Paradies zu gelangen – Aufgrund dessen auch muss man sie quasi als Mutter allen Radikalismus, aller Gewalt und der Terrororganisation unserer Zeit, auch in Europa, betrachten.

MD: Wie konnte es passieren, dass innerhalb des Islam diese radikalen Strömungen so stark wurden? Hat hier der Westen – vornehmlich die USA – mit Schuld, indem man es sich lange einfach machte, um an billige Rohstoffe zu kommen?

Dr. Amer Albayati: Ja, das stimmt sicher auch. Weltpolitischer und wirtschaftlicher Machtkampf spielt sicher eine Rolle, aber auch die undemokratischen islamischen und arabischen Regime tragen Schuld, den politischen, organisierten Islam in all diesen Ländern gewähren zu lassen. Auf dieser Grundlage konnten die Muslimbrüder sich genauso etablieren wie die salafistischen Strömungen (Wahabiten) in Saudi-Arabien und die fundamentalistischen schiitischen Mullahs im Iran. Die Regime haben damit zu diesem Konservatismus und dieser Rückständigkeit wesentlich beigetragen.

Sie wollen sich immer nur an der Macht halten, koste was es wolle, und sei es auch unter Ausnutzung des Islam. So nutzen alle Seiten den Islam für ihre politischen Zwecke aus. Dabei ergeben sich manchmal wechselseitige Beziehungen und Interessenverknüpfungen, die jedoch immer eines gemeinsam haben: Die einfachen Muslime werden zwischen diesen Machtblöcken zerrieben und sind bis heute mit ihrem Schicksal alleine gelassen.

MD: Viele Leute im Westen glauben mittlerweile, dass hier eine Verschwörung am Werk ist, ein großer Umvolkungsplan. Sie berufen sich dabei auf Bücher Gelehrter des frühen 20. Jahrhunderts, in denen solche Pläne angedacht wurden. Was halten Sie von solchen Spekulationen?

Dr. Amer Albayati: Sicherlich ist da was dran. Alle vorher genannten Akteure haben zu diesem Stillstand und diesem dauerhaft ungelösten Dilemma beitragen; dadurch sind die Tendenzen hinsichtlich Radikalisierung steigend. Gewalt und Terror wird auf Grund des entstandenen Vakuums weiter gehen, ja die Bedrohung wird sogar noch zunehmen, auch in Europa.

MD: Weshalb sind die aufgeklärten Strömungen innerhalb des Islam so schwach? Gibt es Vernetzungen auf europäischer Ebene, etwa mit dem „Zentralrat der Ex-Muslime“ in Deutschland oder mit anderen kritischen Intellektuellen wie Dr. Kelek, Prof. Tibi usw.?

Dr. Amer Albayati: Also, intellektuelle Individualisten haben in der islamischen Gemeinschaft nichts zu erwarten. Die meisten sind sogar nach Europa gekommen, um von nationalistischen und konservativen Islamisten fern bleiben zu können. Solche Dogmen wie etwa missionieren zu wollen oder Moscheenbau zu forcieren sind uns fremd; trotzdem müssen wir als Idealisten zusammenarbeiten und gemeinsam agieren, um Europa dabei zu helfen, nicht von radikalen Kräften unterwandert zu werden.

MD: Im Westen schaffen es meist nur sogenannte „Kopftuch-Feministinnen“ und Leute wie Ayman Mazyek in die Medien. Leute wie Sie, die wahrhaft vermitteln könnten, sind rar gesät. Weshalb wird die liberale Seite so totgeschwiegen?

Dr. Amer Albayati: Das politische Kalkül hat diese konservativen fundamentalistischen Leute größer werden lassen, als sie eigentlich sind. Manche Parteien betrachten sie sogar als Wählerpotenzial, vergessen dabei allerdings, dass sie mehr und mehr ihrer eigenen Bürger als Wähler verlieren. Bis sie das aber begreifen, wird es zu spät sein.

MD: Was halten Sie von Leuten wie Mazyek, Kaddor oder auch von Konvertiten wie Hübsch, Vogel und wie sie alle heißen? Sind Konvertiten fanatischer?

Dr. Amer Albayati: Alle radikalen Islamisten, Salafisten und ihre Dogmen sind negative Erscheinungen für unsere Gegenwart und Zukunft. Das gilt vor allem auch auch für die Leute, die mit ihnen zusammenarbeiten!

MD: Was würden Sie für das Bildungssystem vorschlagen, um junge Muslime zu liberalen, modernen und toleranten Menschen heranzuziehen?

Dr. Amer Albayati: Dass die Politiker endlich Änderungen einführen, damit Muslime vom Kindsalter an endlich lernen, sich richtig zu integrieren. Vor allem muss man dafür Sorge tragen, dass sie ohne Dogmen oder Gebote und Verbote zu leben lernen.

MD: Wie stehen Sie zum Thema Religionsunterricht? Wäre nicht ein gemeinsames Fach „Ethik“ verpflichtend für alle besser?

Dr. Amer Albayati: Ja, Ethik-Unterricht für alle, auch für die Muslime, könnte eine Lösung bringen. So könnten sich junge Muslime auch sich frei entfalten – ohne religiöse Bewacher und Aufpasser fiele es viel leichter, ihre Haltungen als gesellschaftliches Individuum frei entwickeln zu dürfen und können. Also Wertevermittlung vom Kindesalter an beginnen.

MD: Verzweifeln Sie manchmal ob der Tatsache, dass so viele Europäer es mit dem Liberalsein derart übertreiben? Was halten Sie von der Willkommenskultur, die man auch als Toleranz bis zur Selbstaufgabe sehen könnte?

Dr. Amer Albayati: Ja, sicherlich. Das stört mich sehr weil ich die Menschen liebe. Aber wenn ich betrachte wie viele Fehler gemacht werden, die in der Zukunft kaum mehr korrigiert werden können, dann werde ich sehr nachdenklich. Aufklärung könnte hier etwas bewirken – vorausgesetzt, dass die Entscheidungsträger diese Situation auch verändern wollen. Aber es geht leider nur sehr langsam voran. Die Willkommens-Kultur ohne Grenzen und mit diesen hohen Kosten wird bald einmal ein Ende haben; sobald es kein Geld mehr gibt, werden auch keine Migranten mehr kommen.

MD: Viele Europäer würden sich wünschen, dass die liberale, moderne Fraktion innerhalb der Moslems viel mehr Gewicht hätte. Fühlen Sie und andere liberale Muslime sich manchmal verraten von Politik und Medien hierzulande?

Dr. Amer Albayati: Allerdings! Der Unterschied jedoch ist: Wir werden mit unseren liberalen Ideen weiter bestehen, die Politiker hingegen werden massiv Wähler verlieren wegen ihrer ständigen und immer weiter anwachsenden Fehler.

MD: Ich nehme an, dass Sie öfter von liberalen Muslimen um Rat gefragt werden. Was für Sorgen treibt sie um und was raten Sie denen?

Dr. Amer Albayati: Ich sage allen das Gleiche: Fertige Rezepte gibt’s nicht! Wichtig ist, dass man frei, fair und loyal bleibt im Sinne aller Menschen, wo auch immer sie leben. Wenn man dabei unermüdlich bleibt, wird man die Früchte ernten und man wird selbst genauso wie alle anderen früher oder später davon profitieren.

Ich leugne nicht meine Herkunft aus dem Irak und dass meine Mutter Türkin aus Istanbul ist; aber meine Loyalität gegenüber dem Land und den Menschen mit denen ich lebe, ist mir wichtige als alle andere.

MD: Die Debatte um Verschleierungsverbot und Kopftuch kommt nicht zur Ruhe. Ist ein Kopftuch ein Zeichen des politischen Islam? Kann eine Frau auch ohne Kopftuch fromme Moslemin sein?

Dr. Amer Albayati: Die Kopftuchheuchelei muss endlich aufhören! Im Koran gibt es nämlich gar kein Gebot für das Tragen von Kopftuch, Hijab, Niqab, Burka oder Tschador, und schon gar kein Gebot für eine Ganzkörperverschleierung. Diese sind vielmehr primär Symbole radikaler Islamisten, um die Frauen zu unterdrücken und zu versklaven!
Es ist verwunderlich, dass bestimmte Politiker und manche Journalisten das unterstützen. Entweder sind die ahnungslos, dumm oder beides – was noch schlimmer wäre. Solche Volksverdummung muss in Europa sofort gestoppt werden! Es gibt in diesem Rahmen europäische Schritte in der richtige Richtung, aber sehr langsam.

MD: Wie groß sehen Sie die Gefahr, in der sich die westlichen Gesellschaften befinden? Ist es schon fünf nach zwölf?

Dr. Amer Albayati: Eigentlich es ist bereits zu spät … Deshalb müssen wir alles tun was in unserer Macht steht, stark und optimistisch sein, denn die Menschen erwarten von uns mehr Aufklärung, mehr Wahrheiten. Wir müssen wachsam bleiben ohne dabei Ängste zu schüren; weil kein Land davon verschont bleiben wird, dessen sollten wir und ganz bewusst sein und auch danach leben.

MD: Was für Maßnahmen wäre Ihrer Meinung nach sofort zu treffen, um der Unterwanderung durch radikale Kräfte entgegenzuwirken?

Dr. Amer Albayati: Wertevermittlung sollte eigentlich im Kinderalter beginnen. Wir haben uns bisher in diese politische Debatte nicht eingemischt, aber man muss sich auch dazu äußern. Zudem hat die ILMÖ bereits im Jahr 2009 in aller Deutlichkeit auf Verbindungen zwischen der Muslimbruderschaft und radikalen Islamisten in Kindergartenvereinen, Schulen und Moscheevereinen hingewiesen. Die Behörden wurden getäuscht und hielten daher jahrelang konsequent die Augen vor der Realität verschlossen. Das muss nun ein Ende haben.

MD: Liberale Moslems haben zunehmend das Problem, zwischen Radikalen und Einheimischen zerrieben zu werden. Der Druck, sich für eine „Seite“ zu entscheiden, nimmt stetig zu. Umgekehrt haben Einheimische das Problem, dass die wenigen liberalen Moslems fast schon untergehen im Meer der Integrationsverweigerer. Was würden Sie beiden Seiten raten, um den Radikalen zum Trotz dennoch friedlich miteinander zu leben?

Dr. Amer Albayati: Stimmt, das bemerke ich in der Praxis öfter bei Vorträgen. Ein Problem sind vor allem Hasspostings von radikalen Islamisten; die betreffen zum Teil sogar Einheimische, weil Islamisten nicht mit Kritik umgehen können. Aber die Meinungsfreiheit muss bewahrt werden und man muss auch Kritik vertragen können! Änderungen sind hier aber nicht schnell zu erwarten, leider.

MD: Wenn diese Frage nicht zu persönlich ist – sind Sie gläubig? Leben Sie Ihren Glauben?

Dr. Amer Albayati: Manchmal ja, manchmal nein. Ich bin eben ein lebendiger Mensch und stelle auch vieles in Frage. Auch meine Religion oder mein Dasein. Aber dennoch ist es sehr wichtig für mich, Vertrauen und Respekt aufzubauen mit allen Religionen, Humanisten und Andersdenkenden. Das stärkt mich und gibt mir viel Kraft, weiter friedlich aktiv bleiben weil viele Menschen wie Sie und ich vielleicht genauso positiv denken.

MD: Abschließend noch eine Frage zu Ihrer persönlichen Situation. Sie leben unter strengen Sicherheitsvorkehrungen quasi im Untergrund; angesichts der Tatsache, dass Radikale auf unseren Straßen offen ihre Hassbotschaften unter die Leute bringen dürfen, empfinde ich als österreichischer Staatsbürger die Situation, in der Sie leben müssen, als höchst beschämend. Wie kommen Sie mit dieser Situation klar? Ich denke, man muss sehr stark sein, um das auf Dauer auszuhalten – Wie kann man Ihnen helfen, beziehungsweise was würde Sie sich von der österreichischen Politik und von den Österreichern wünschen?

Dr. Amer Albayati: Ich versuche meine Ängste durch andauernde Aktivitäten für andere Menschen zu verdrängen. Trotzdem ist mein Leben unbeschreiblich kompliziert geworden; sogar meine Antworten auf diese Fragen verursachen mir ein mulmiges Gefühl.

Was mir leid tut und auch sehr stört ist, dass bestimmte Politiker und manche Journalisten versuchen, mich zu bekämpfen oder tot zu schweigen. Sonst setzen sie sich für jede Maus ein, aber wenn jemand von Terroristen und radikalen Islamisten so bedroht wird, dann schweigen Sie!?
Ich glaube, als unabhängiger, unparteiischer und neutraler Mensch ohne Parteibuch wird man gern einmal alleine gelassen – das ist sehr beschämend! Außerdem helfen sie damit nur den radikalen Islamisten und machen sich dadurch mit verantwortlich.

MD: Herr Dr. Albayati, im Namen der Redaktion bedanke ich mich sehr herzlich für das Gespräch sowie für Ihre unermüdliche Aufklärungsarbeit und wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft und Zuversicht!

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