Exclusiv: Internetmagazin ar-Risalah(u) – Medienjihad in Hochglanz und Anmerkungen zum Inhalt

Exclusiv: Internetmagazin ar-Risalah(u) – Medienjihad in Hochglanz und Anmerkungen zum Inhalt

Zur Information:

https://pietervanostaeyen.files.wordpress.com/2017/01/risalah4.pdf

Das Salafi Dschihadi Magazin ar-Risalah(u) (der Brief oder das Sendschreiben, Nominativ-bestimmt) aus Syrien, welches bez. des Layouts neue Maßstäbe setzt. Mit Dank an Pieter Van Ostaeyen für die Verlinkung.

Darin wird u.a. das erfolgreiche Attentat auf den russischen Botschafter in Ankara im Dezember 2016 thematisiert.

Zwei Punkte erscheinen mir hier wichtiger:

1.) Die Idee des Mediendschihad, der von DAESH den narrativen Mustern der westlichen populären Unterhaltungskultur und der ästhetischen Vermittlung durch Medien wie Spielfilme, Videospiele und Lifestyle Magazine angepasst wurde, um ein damit aufgewachsenes und primär jugendliches Publikum zu erreichen, stammt nicht, wie oftmals angegeben, vom heutigen First-in-command von Al Qaidah Core (AQC) Aiman az-Zawahiri, was dann vom früheren Anführer von Al Qaidah in Iraq (AQI) Mus`ab az-Zarqaawii, bis zu dessen gezielter Tötung 2006, umgesetzt wurde, der u.a. Videos von Hinrichtungen global verbreiten ließ. (S.38)

Sondern von dem als „Held von Afghanistan“ bekannten Shaykh Abd’allah Yusuf ‚Azzam (1941 – 1989) aus der Zeit des anti-sowjetischen Dschihad in Afghanistan 1979-1989, der in seinen Schriften zur „Befreiung von Afghanistan und Palästina“ aufrief, was durch eine breite Basis (al-Qaidah) von Muqatilun (Kämpfer) geschehen sollte, womit durch die Verbeitung von Predigten ‚Azzams über Kompaktcassetten global die „Araber Afghanen“ für Afghanistan rekrutiert wurden, während al Qaidah Gründer Usama Ibn Ladin die Organisation immer als exclusive Organisation sah, die bis heute nicht jeden nimmt, der vor Ort für al Qaidah kämpfen will.

Diese Exclusivität geht auf die Schrift „Die Zeichen auf dem Weg“ des 1966 hingerichteten Muslimbruders Sayyid Qutb zurück, der die politisch-revolutionär ausgerichtete Theorie einer muslimischen Avantgarde ausarbeitete, die den Kampf gegen die überall herrschende Jahiliyya (Zeit der vorislamischen Unwissenheit) aufnehmen würde, nachdem man die Hidschra (der Auszug) aus der Gesellschaft Jahiliyya vollzogen hat, womit man dieser gegenüber Takfir (Entlassung in die Jahiliyya) erklären kann, um eine islamische Ordnung (Nizam Islami) zu errichten, wo nur noch die Haakimiyyat Allah (unbedingte Souverenität Allahs) gelten würde.

Daher auch der Name at-Takfir wa’l Hidschra (Dschama’at al-Muslimin) von einer der ersten dschihadistischen Gruppierungen in Ägypten unter Führung des 1978 hingerichteten ehemaligen Muslimbruders Shukri Mustafa, der mit seinen Anhängern die Hidschra aus der ägyptischen Gesellschat vollzogen hatte, die als Jahiliyya angesehen wurde. Und gegen die Regierung des damaligen Ra’is as-Sadat agierte, bis die Gruppe 1977 zerschlagen wurde, als ein von ihr entführter früherer Minister und islamischer Theologe (Muhammad ad-Dhahabi) ermordet wurde, der sich öffentlich gegen die Gruppierung gewandt hatte.

‚Azzam wurde 1989 mit zwei seiner Söhne bei einem bis heute nicht aufgeklärten Bombenanschlag in Peschawar getötet.

Erst DAESH wird dann die Idee einer Massenbewegung, die jeden nimmt, der mit der Gewaltideologie übereinstimmt, wieder aufnehmen.

Was auch den Erfolg von DAESH bezüglich der Rekrutierung von Foreign Fighter verständlich macht, da jeder ins Chalifat aufgenommen wurde, der die Hidschra nach ash-Sham vollzogen hatte.

2.) Die Strategie des Harb al-Istinzaaf (Abnutzungskrieg), um die westlichen Militärmächte als „Fernen Feind“ (al Qaidah) langfristig aus der Region zu drängen, da diese keine kostenintensiven und langandauernden Militräeinsätze mehr schultern können.

Wie ar-Risalah(u) anführt, kostet eine 7,62 x 39 mm Patrone für das AKM/AK 47 Sturmgewehr weniger als einen Dollar, wobei auch die AKM zu den billigsten Sturmgewehren der Welt gehört, die wegen der einfachen Bedienung und der Robustheit zur Standartwaffe der Salafi Dschihadis und anderer terroristischer Gruppierungen zählt. (S.22)

Gleichzeitig haben die militärischen Einsätze in Afghanistan und Iraq im Rahmen des „Krieg gegen den Terrorismus“ die Vereinigten Staaten bisher 10 Trillionen Dollar gekostet, was selbst die derzeit noch mächtigste Nation der westlichen Welt nicht auf Dauer weiter tragen kann, weil der Staatshaushalt langfristig zerrütet wird. Und sich keine absehbaren Erfolge einstellen, da derzeit schon Afghanistan wieder an die Taliban zurückfällt, die immer mehr Regierungsbezirke unter ihre Kontrolle bringen (S.31)

Einer der Gründe für die Ausweitung des „Drohnen-Krieges“ während der Obama-Administration in Afghanistan, Pakistan, Syrien, Iraq, Somalia und Yaman, der weniger kostet und keine eigenen Verluste (außer durch Friendly-Fire) militärischer Kräfte mit sich bringt, da keine Soldaten in Bodengefechte involviert sind.

Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler bezeichnet den Einsatz bewaffneter Drohnen daher richtigerweise als „Postheroische Waffe postheroischer Gesellschaften“, die nicht mehr bereit sind, für propagierte Ideale Menschenleben aufs Spiel zu setzen.

Somit der Salafi Dschihadismus im Vergleich zum hochtechnologischen Krieg westlicher Mächte ein billiger Krieg mit billigen Waffen und kurzer Ausbildungsdauer der Kämpfer ist, da beständige nadelstichartige Hit and Run Attacken vor Ort die eingesetzten militärischen Kräfte zermürben und einen Konflikt auf unbestimmte Dauer, bei gleichzeitiger Minimierung eigener Verluste, ausdehnt (Low Intensity Conflict/LIC), ohne kostenintensive Waffensyteme mit entsprechend geschulten Personal einsetzen zu müssen.

So wie in der Zeit des sunnitischen Aufstandes im Iraq nach 2003, an den sich Al Qaidah in Iraq (AQI) als Freerider anklammerte, um den Konflikt ideologisch aufzuladen, bis dieser primär ein Sunni-Schia Konflikt wurde.

So richteten sich die Anschläge von AQI primär gegen die schiitische Zivilbevölkerung. Dann gegen die iraqischen Sicherheitskräfte. Und dann erst gegen westliche Besatzungstruppen, die vor der Folie der Zuspitzung des innerislamischen Konflitkes vermehrt von sunnitischen und schiitischen Milizen Kräfte attackiert wurden.

Das geht soweit, bis entweder die ökonomischen Kosten für die involvierten westlichen Mächste zu hoch werden. Oder die Stimmung der Bevölkerung sich gegen die Regierung wendet, da auch die steigende Anzahl von gefallenen und verwundeten Soldaten zu einem Stimmungsumschwung beiträgt, bis die Regierungen ihr militärisches Engagement vor Ort aufgeben.

Somit wird der Salafi Dschihadismus weiter auf die Strategie des Harb al-Instinzaaf in ash-Sham und anderen HotSpeots des Salafi Dschihadismus setzen, um den westlichen Einfluss in der jeweiligen Region zu kappen, damit dann die „unislamischen“ Regierungen und Herrscherhäuser als „Naher Feind“ (al  Qaidah) gestürzt werden, damit auf Grundlage zu errichtender Emirate am Ende ein Chalifat errichtet werden kann. Somit erst Raum erobert werden soll, bis das Chalifat irgendwann in der Zukunft errichtet wird.

Der als „Agenda 2020“ bekannte Strategieplan von al Qaidah sieht dieses Ziel 2020 erreicht, was aber derzeit aus verschiedenen Gründen nicht in Betracht kommt.

DAESH ist den anderen Weg gegangen, als das Chalifat gegründet wurde, um dann erst weitere Gebiete als Wilaayaat (Regierungsbezirke) zu erobern und den Nahen Feind zu bekämpfen, während der Ferne Feind in der WENA-Region (Westeuropa-Nordamerika) durch terroristische Attacken angegriffen wird, um hier gesellschaftliche Spaltung voranzutreiben, bis es zu einem generellen Konflikt zwischen Muslimen und Nichtmuslimen als Bürgerkrieg kommt, was die Etablierung eines globalen Chalifates vorbereitet, welches Europa als Wilaayaat eingliedern will. Entsprechende Landkarten dazu von DAESH werden seit Jahren im Internet verbreitet.

Insgesamt hat der Medienjihad mit der neuen Ausgabe von ar-Risalah(u) eine neue Qualitätsstufe bez. des Layouts im Segment Internetmagazine erklommen.

Man wird sehen, ob DAESH und Al Qaidah auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) nachziehen werden.

Dr. Thomas Tartsch

www.thomastartsch.org

Copyright und ale Rechte:

Pieter Van Ostaeyen, Zitierung nur mit verlinkter Quellenangabe von ar-Risalah(u) erlaubt.

Bei meinen Ausführungen: Bei mir.

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