Jordanien: Erste Small-Scale Attacke – Hintergründe / Best. Vorhersagen Albayati/Tartsch 2016 / Vorhersage 2017: Economic Jihad geg. Touristen

Jordanien: Erste Small-Scale Attacke – Hintergründe / Best. Vorhersagen Albayati/Tartsch 2016  / Vorhersage 2017: Economic Jihad geg. Touristen

Mit der ersten Small-Scale Attacke in Karak/Jordanien ohnde derzeit geklärte Urherberschaft, bei der mindestenes eine kanadische Touristin getötet wurde, hat der Salafi Dschihadi Terroismus auch das Land erreicht, welches sich durch vier Merkmale auszeichnet:

 

  1. Jordanien gilt im Vergleich mit anderen Ländern in der Region als relativ liberal.

 

Es existiert nicht der sonst fast überall anzutrefffende Konflikt zwischen Sunni und Shia, da es gegenüber einer Bevölkerung von 95% Sunniten nur eine marginale schiitische Populatiom gibt, womit innerislamische Konflikte wie in Irak (Sunni-Shia) und Syrien (Nusairier-Sunni) faktisch nicht existieren.

 

  1. Der seit 1945 existente jordanische Zweig der Muslimbruderschaft und ihrer Partei (Islamic Action Front Party (IAFP), gegr. 1992), deren Ziel die Etablierung einer islamischen Nomokratie im Rahmen der Schari’ah ist, ist seit Jahrzehnten in das parlamentarische System integriert. Und stellt derzeit mit 15 Abgeordneten die stärkste Opposition im Parlament:

 

https://www.wilsoncenter.org/article/jordan-the-quiescent-opposition

Jordan: The Quiescent Opposition | Wilson Center

http://www.wilsoncenter.org

Since the late 1980s, the Islamic Action Front has been the leading opposition movement in Jordan, often boldly challenging the monarchy’s domestic and foreign …

 

Damit verfolgen die jordanischen Muslimbrüder den legalistischen Weg wie der tunesische Zweig (Hizb en-Nahda), die sich angeblich vom Islamismus verabschiedet ha,t:

 

http://country.eiu.com/article.aspx?articleid=264254810&Country=Tunisia&topic=Politics&subtopic=F_10

Hizb al-Nahda abandons political Islam

country.eiu.com

The Economist Intelligence Unit

 

um das Ziel der Etablierung einer sozial-integrativen und ökonomisch-gerechten Islamischen Ordnung (Nizam Islami) zu erreichen, anstatt wie in Syrien, wo die Bruderschaft seit 1963 verboten ist, mit terroristischen Akten gegen die Regierung des damaligen Staatspräsidenten Hafiz al-Assad (Vater von Baschar al-Assad) vorzugehen, womit dieser die syrischen Muslimbrüder bei dem Massaker von Hama (Madschzarat Hama) 1982 in Grund und Boden bomben ließ. Zusammen mit der Zivilbevölkerung in Hama, was damals im Westen keinen interessierte, obwohl es bis zu 30.000 Todesopfer gegeben haben soll.

Somit Jordanien auch nicht wie im Ägypten ständig am Rand eines Bürgerkrieges zwischen der Regierung von Ra’is el-Sisi und islamisch-salafistischen Kräften steht.

Zumal der jordanische Nachrichtendienst im Inland einer effektivisten in der Region ist, womit es bisher zu keinen Large-Scale Attacks wie in Saudi-Arabien durch DAESH kam:

 

https://www.foreignaffairs.com/articles/jordan/2016-02-17/isis-meets-its-match

 

 

Gleichwohl existieren auch in Jordanienen Terrorzellen verschiedener Salafi Dschihadi Gruppen, die nach Ansicht verschiedener Analysten aber in absehbarer keinen Umsturz und die Absetzung von König Abduallah II. Ibn al-Husain in Jordanien erreichen werden.

 

 

  1. Schon zu Zeiten des al-Qaidah Gründers Usama Ibn Ladin wollte dieser das jordanische Königshaus stürzen, womit das Land schon längere Zeit im Viser des gewaltsamen Salafi Dschihaidmus steht.

Dazu unterstützte er finanziell den vorbestraften Kleinkriminellen Abu Musab az-Zarqawi (Ahmad Fadeel al-Nazal al-Khalayleh, geb. 1966 in Zarqa), der sich in der Haft radikalisiert hatte, beim Aufbau einer Salafi Dschihadi Gruppe in Afghanistan, die auch in Jordanien aktiv werden sollte.

Diese Gruppierung, Jund ash-Sham (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Gruppierung in Syrien, die sich 2012 gegründet hat), wurde in Herat/Afghanistan ausgebildet und umfasste zum Zeitpunkt der militärischn Intervention Ende 2001 zum Sturz der Taliban ca. 2.000 – 3.000 Kämpfer.

az-Zarqawi wurde danach zum Anführer von Al Qaidah in Iraq (AQI), wo sich al Qaidah als Freerider an den sunnitischen Aufstand gegen die westlichen Bestzungsmächte seit 2003 angehängt hatte, um diesen primär nichtreligiösen Konflikt mit ihrer Ideologie zu unterfüttern, die sich insbesondere gegen die schiitische Mehrheit richtete, die primär zum Ziel von Attentaten in Städten wie Bardad wurde.

Er war nicht nur einer der geistigen Väter der Idee einer Chalifat Gründung, was später von der faktischen Nachfolgeorganisation DAESH verwirklicht wurde, nachdem es zum Bruch von AQI Führer Abu Bakr al-Bardadi mit Al Qaidah Core (ACQ) um dem First-in-command Aiman az-Zawahiri kam, der schon az-Zaqarwi wegen dessen extrem brutalen Vorgehens gegen andere Sunniten kritiserte, da das vorhandene Sympathien der iraqischen Bevölkerung negierte.

Einer der Gründe für das später erfolgreich durchgeführte Counter-Insurgency der amerikanischen Streitkräfte in Zusammenarbeit mit den sunnitischen Sawah Milizen gegen AQI im Rahmen der Operation „The Awakening“:

 

https://www.theguardian.com/commentisfree/2008/mar/21/theiraqlegacytheawakening

 

In meinem global beachteten Disk-Paper zum Krieg der 4. Generation findet sich auf S.15 eine grafische Darstellung der komplexen Counter-Insurgency Operation:

 

http://www.stresemann-stiftung.de/wp-content/uploads/2012/11/Stresemann-Stiftung-Tartsch-Krieg-der-vierten-Generation.pdf

 

Nach dem erfolgreichen Ende der Operation verriet man dann faktisch die Sawah Milizen, da man gegebene Versprechen nicht einhielt, wodurch der Sunni-Shia Konflikt an Schärfe zunahme, da die sunnitische Minderheit politisch, sozial und ökonomisch immer mehr marginalisiert wurde.

Und die anti-sunni Politik der schiitisch dominierten Regierung von Nuri al-Maliki dann wieder Teile der sunnitischen Population in die Arme von DAESH trieb, woraus sich die anfängliche lokale Verankerung unter sunnitischen Stämmen erklärt, die zum Erfolg von DAESH beitrug, da der Irak ein Weak State ist, der sich in einen Failed State  und Austragungsort eines neuen Stellverterterkrieges zwischen Saudi-Arabien und Iran wandeln kann, wenn es der jetzigen Regierung und dem Staatspräsidenten Haider el-Ababi nicht gelingt, den virulenten Sunni-Shia Konflikt zu beenden, der spätestens nach dem Ende des DAESH Chalifates wieder an Schärfe zunehmen wird.

 

Siehe hierzu die Ausführungen bez. der Zukunft von AQI (S.5ff.), die heute nocht aktuell sind, weil neben DAESH auch al-Qaidah weiterhin im Iraq aktiv ist:

 

https://www.rsis.edu.sg/wp-content/uploads/2014/09/CTTA-February12.pdf

 

Neben dem Bündnis von Salafi Dschihadismus mit Kadern der früheren säkularen, panarabisch und arabisch-sozialistisch ausgelegten Ba`ath Partei aus Politik, Verwaltung und Sicherheitskräften, womit DAESH sich von einer Insurge Group in eine effektive Militärorganisation wandelte, die auch bürokratisch verwaltete staatliche Strukturen des Chalifates aufbauen konnte.

 

Sondern az-Zarqawi war auch der erste neuzeitliche Salafi Dschihadi, der bis zu seiner gezielten Tötung im Juni 2006 das Internet als Waffe psychologischer Kriegsführung für den „Electronic- oder Cyber Jihad“ nutze, indem extreme Gewaltvideos von Enthauptungen et al. global verbreitet wurden. Zum einen, um die Kampfkraft des Gegners vor Ort zu brechen. Zum anderen, um virtuell Propaganda zu betreiben.

Insoweit DAESH diese Form der virtuellen Propaganda und psychologischen Kriegsführung nicht „erfunden“ hat.

Sondern seit 2013/2014 nur das verfeinerte, emotionalisierte und internationalisierte, wofür az-Zarqawi den Boden bereitete.

Der Erfolg dieser Strategie zeigte sich, als die gezielte Verbreitung dieser Gewaltvideos den militärischen Widerstand vor Ort gegen DAESH im Iraq oftmals zusammenbrechen lies, bevor es zum Gefecht kam.

Sunzi schreibt dazu in Die Kunst des Krieges: „Die größte Leistung besteht darin, den Widerstand des Feindes ohne einen Kampf zu brechen“.

 

„In short, the hand-held video camera has become as important a tool of insurgency as the AK-47 or the RPG rocket-launcher. As Mr Zawahiri himself once put it in an intercepted letter to Zarqawi, “More than half of this battle is taking place in the battlefield of the media.” Or as one jihadi magazine found on Irhabi007’s computer explained: “Film everything; this is good advice for all mujahideen [holy warriors]. Brothers, don’t disdain photography. You should be aware that every frame you take is as good as a missile fired at the Crusader enemy and his puppets.” Just before his arrest, Irhabi007 had set up a website that, he hoped, would rival YouTube, to share jihadi videos. He called it Youbombit.com.“

 

http://www.economist.com/node/9472498

 

Die Funktion des Cyber Jihad für DAESH:

 

http://www.inss.org.il/uploadImages/systemFiles/adkan18_1ENG%20(5)_Hoffman-Schweitzer.pdf

 

Dieser komprimierten Rundgang durch die Geschichte des Salafi Dschihadismus soll verdeutlichen, warum jetzt auch Jordaninen das Ziel einer Small-Scale Attack auf dem Niveau des Low Level Terrorism gegen Soft Tartgets (Touristen) wurde, da sich die Region immer mehr destabilisiert.

Und das Netzwerk um DAESH seinen Kampf gegen den „Nahen Feind“ (regionale Regierungen und Herrscher, die als unislamisch angesehen werden) auch nach der absehbaren Vernichtung des Chalifates weiter betreiben wird.

 

 

Vorhersage Albayati/Tartsch bestätigt: Auch 2016 war mit weiteren Anschlägen auf Touristen nach Istanbul im Rahmen der 5. Welle des Terrorismus zu rechnen

 

Ich füge unsere bekannte Vorhersage von Januar 2016 nach dem Anschlag in Istanbul noch einmal zur Vollständigkeit an, da mit weiteren Anschlägen duch Salafi Dschihadi Gruppen um DAESH und Al Qaidah Core (AQC) auf Touristen als Soft Tartgets in der MENA-Region (Middle East-North Africa) als Economic Jihad zu rechnen war, um die Wirtschaft der jeweiligen Länder zu treffen:

 

http://www.initiativeliberalermuslime.org/pressemitteilungen/13-01-2016/

 

Somit liegt unsere Trefferquote bezüglich der Vorhersagen im Bereich Salafi Dschihadismus für 2016 rund 90%, was nicht schlecht ist.

 

 

Vorhersage 2017:

 

Auch 2017 muss weiterhin mit Anschlägen auf Touristen als Soft Targets in der MENA-Region durch den Salafi Dschihadismus im Rahmen der 5. Welle des Terrorismus und Form des Economic Jihad mittels Small-Scale Attacks auf dem Niveau des Low Level Terrorism gerechnet werden, um die Destablisierung der MENA-Region voranzutreiben.

 

Wie die Anschläge von Januar 2016 in Istanbul (DAESH) bis Dezember 2016 in Jordanien (Urheberschaft derzeit nicht geklärt) gezeigt haben, wird der global, panislamisch und gewaltsam ausgelegte Salafi Dschihadismus um die Netzwerke DAESH und Al Qaidah Core (AQC) auch 2017 Touristen als Soft Targets ins Visier nehmen, um mittels Small-Scale Attacks auf dem Niveau des Low Level Terrorism den Tourismus als eine wirtschaftliche Haupteinnahmequelle der betroffenen Länder im Ramen des Econoc Jihad zu treffen, da Terrroismus als strategische Kommunikationsform sich primär an potentielle Urlauber als „interessierten Dritten“ richtet, damit diese ihren Urlaub nicht in Ländern der MENA-Region verbringen, womit ein hoher Bodycount nur das kurzfristge Ziel von Anschlägen zur Erzielung globalen Medieninteresses darstellt, da mittel- bis langfrstige Auswirkungen strategisch wichtiger sind zur Zielerreichung, indem ein bestimmtes Verhalten im Sinne der Salafi Dschihadis aufgezwungen werden soll, bis die subjektive Weltsicht des interessierten Dritten soweit verändert (subjektives Gefährdungsgefühl Opfer eines Anschlages zu werden) ist, dass diese mit den objektiven Gegebenheiten (objektive Gefährdungslage mit der statistischen Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Anschlages zu werden) nicht mehr kongruent geht.

 

Diese Form terroristischer Akte ist seit Mitte der 1990er Jahren aus Ägypten bekannt, als mehrere Attentate aus dem Umfeld der Gruppierung al-Gama’a al-Islamiyya Todesopfer unter ausländischen Touristen forderte, um den Toursimus als wirtschaftliche Einnahmequelle zu treffen, womit man sozial-ökonomische Eruptionen auslösen wollte, die den Sturz des damaligen Ra’is Husni Mubarak durch eine „Volkserhebung“ einleiten sollten, was dann nicht geschah, weil man gerade den Lebensunterhalt des „interessierten Dritten“ (ägyptische Bevökerung) traf, wodurch sich die Bevölkerung gegen Die Dschihaids wandte (in der Terrorismusforschung als Sha’ima Effekt bekannt).

 

Die Erfolge dieser Strategie zeigeten sich im Gegensatz zu al-Gama’a al-Islamiyya 2016 in der Türkei, Ägypten und Tunesien, wo die jeweilige Tourismusbranche erhebliche Einnahmeverluste zu verzeichnen hat, da die Länder das Ziel terroristischer Akte wurden.

Auch Jordanien, welches sich in einer zuspitzenden sozio-ökonomischen Lage mit hoher Jugendarbeitslosigkeit befindet, muss 2017 mit weiteren Attentaten rechnen, da das Land zunehmend im Zielspektrum des Salafi Dschihadismus regioanl agierender Gruppierungen steht.

Ebenso kann sich auch die abstrakte Gefährdungslage in Nord Afrika durch Gruppierungen wie DAESH Regierungsbezirk West Afrika (Ex Boko Haram) und Harakat ash-Shabaab al-Mudschahidun/ Al Qaidah im Islamischen Maghreb [AQIM] (AQC) für Touristen weiter verschlechtern, da man zunehmende Aktivitäten dieser Salafi Dschihaid Filialen ausserhalb von Nigeria und Somalia verzeichnet, womit die abstrakte Gefährdungslage in touristisch frequentierten Orten jederzeit in eine konkrete Gefährdungslage umschlagen kann.

 

Auch wenn die statistische Wahrscheinlichichkeit gering ist, Opfer einer Small-Scale Attack zu werden, wird schon die abstrakte Gefährdungslage zu weiteren finanziellen Einbußen betroffener Länder führen, was insgesamt die Instabilität der MENA-Region vorantreibt. Zumal man solche Attentate vor Ort durch Lone Wolf Fighter, Kleinst- und Kleingruppen kaum verhindern kann.

 

Der Salafi Dschihadismus somit auch 2017 auf diese Form terroristischer Akte als Form des Economic Jihad setzen wird, um die Destabilisierung der MENA-Region voranzutreiben, da sich diese strategische Kommunikationsform, die sich primär an potentielle Touristen als interessierte Dritte richtet, als effektiver erweisen wird als die direkte gewaltsame Konfrontation, die derzeit keine Salafi Dschihadi Gruppierung in MENA erfolgreich führen kann.

 

Dr. Thomas Tartsch

www.thomastartsch.org

 

Copyright und alle Rechte: Bei den jeweiligen Autoren. Bei mir bzw. Albayati/Tartsch (ILMÖ).

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