Rufschädigung für Österreich durch Saudisch-wahabitisches Zentrum in Wien

Kommentar von Islam-Experten Amer Albayati

Kaum glaubhaft – die Errichtungsurkunde für das ultrafundamentalistische wahabitische König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog von Österreich, Saudi-Arabien und Spanien wurde unterzeichnet, am 26.11.2012 wird in Wien eröffnet. Doch die saudische Beteiligung sorgte bereits im Vorfeld für eine Kontroverse.

Hunderte von Mitarbeitern und Beiräten dieser Einrichtung mit diplomatischem Status und Immunität werden für Österreich und ganz Europa die Integration der Muslime empfindlich hemmen, weil viele davon Vertreter des politisch organisierten Islam sind, wie Muslimbrüder, nationale Fundamentalisten und Mitglieder der berüchtigten Wahabiten und Salafisten.

Der diplomatische Status ist eine Freikarte zur freien und unkontrollierten Verbreitung radikaler Ideologie in Österreich und Europa. Das Beispiel Bosnien zeigt, wie gefährlich solche Einflussnahmen sind. Dieses Zentrum soll einen ähnlichen diplomatischen Status wie die UNO oder OPEC erhalten. Das ist ein schwerwiegender Fehler, der den religiösen und sozialen Frieden in ganz Europa stören wird.

Ausgerechnet das wahabitische Saudi-Arabien, in dem unzählige Verfehlungen gegen die Menschenrechte bekannt sind und in deren religiöser Sichtweise alles Moderne verboten ist, will den interreligiösen Dialog fördern. Jedes Verhalten ist in Saudi-Arabien untersagt, das zu einer verbotenen Tat führen könnte. Frauen dürfen kein Auto lenken und bis vor kurzem waren Musik und Fernsehen wegen des möglichen schlechten Einflusses verboten.

Der interreligiöse Dialog wird schon dadurch in das Absurde geführt, weil die Vormachtstellung des funamentalistischen und politischen Islam in Europa gefördert wird, aber umgekehrt in Saudi-Arabien der Bau nichtmuslimischer Sakralbauten nicht zugelassen wird. So wie der Islam in Europa müssen auch andere Religionen in Saudi-Arabien ihre Freiheit erhalten.

Wir werden sehen, wie ernst es mit dem Dialog ist, wenn über den Antrag auf Errichtung einer Christlichen Kirche in Saudi-Arabien entschieden wird. Damit können die Saudis unter Beweis stellen, dass sie interreligiösen Dialog und friedliches religiöses Miteinander auch für das eigene Land gelten lassen. Alles sonst wäre Lüge.

Amer Albayati (*1942 in Bagdad) ist Journalist und Islam-Experte. Er ist Mitbegründer der Initiative Liberaler Muslime Österreich (ILMÖ) und der beim Kultusamt beantragten neuen Islamischen-Europäischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IEGÖ). http://www.initiativeliberalermuslime.org

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