Islamische Apostasie und Blasphemie in Pro in Contra

Beitrag von Amer Albayati

Ich will hier als Insider und Betroffener kurze Beispiele im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Apostasie und Blasphemie anführen, was in radikal islamistischer Sicht mit Unglauben (kufr) gleichgesetzt mit dem Tod bedroht wird, das wird von liberalen Muslimen selbstverständlich abgelehnt.
Wir leben in einer in allen Bereichen völlig veränderten Welt, vor allem geistig, moralisch und ethisch, das erfordert dass jeder sein Platz haben soll mit Respekt gegenüber anderen Gläubigen oder Ungläubigen, um gemeinsam in einer friedlichen Welt leben zu können. Deshalb wir fordern ohne Provokation gegenüber der anderen: Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Liberalismus, Demokratie, Toleranz, Pluralität und Menschenrechte.
Aufgrund dessen müssen wir den Islam reformieren, sonst können wir nicht die Moderne erreichen und uns niemals in Österreich und Europa integrieren, auch die arabisch-islamische Welt geht verloren. Die Muslime dürfen nicht irrational durch Gewalt und Terror handeln, sondern den Dialog suchen und den Verständigung proklamieren vor allem mit die Christen, Juden, anderen Religionen und anders Denkenden, sowie Humanisten.

Ein wütender Mob hatte die 27-jährige Farchunda in Kabul zu Tode geprügelt. Sie soll einen Koran verbrannt haben. Ihr Leichnam wurde nun von Frauen zu Grabe getragen – entgegen allen Gepflogenheiten. Sie war völlig unschuldig Ein instrumentalisierter Klerus hat mittels Apostasie und Blasphemie diesem Verbrechen den Weg geebnet. Auf einer Veranstaltung der Austro-Afghanen in Linz ist des grausamen Mordes an Farchunda gedacht worden ist. Neben Linz haben Gedenkfeiern auch Wien und Salzburg sowie in Australien und Schweden stattgefunden.

Grundsätzlich gelten verschiedene Formen der Kunst als unislamisch – neben der abbildenden Kunst auch die Musik. Im „Islamischen Staat“ werden deshalb Bilder und Statuen zerstört und Musikdarbietungen verfolgt. Vor allem die Abbildung Mohammeds gilt als Tabu, meist aber auch die Abbildung seiner Familie, seiner Gefährten, Nachfolger oder wichtiger Imame. Dieses Verbot bestand nicht immer und nicht überall, es gab im Islambereich bis ins 16. Jahrhundert Bilder von Mohammed. Traditionell verdeckt ein Schleier das Gesicht Mohammads.
Aber jede Beleidigung oder Abwertung Mohammeds gilt als schweres, todeswürdiges Verbrechen, obwohl es zur Blasphemie keine klaren Weisungen im Koran gibt, Mohammed selbst soll dazu manchmal mit Nachsicht und manchmal hart reagiert haben.
In den islamischen Staaten herrscht im Kunstbereich strenge Zensur, alle Publikationen werden überwacht, gegebenenfalls eingezogen und verboten, Film, Fernsehen und Theater steht ebenfalls unter strenger Kontrolle und Zensur auch für die Medien.
Im Fall der Karikaturen in der Zeitschrift Jyllands-Posten im Jahr 2005 wurde die Karikaturen von islamischen Klerikern in den Islamstaaten verbreitet, um eine Aufruhr dagegen zu inszenieren und zu fordern, dass die islamischen Zensurvorschriften auch in der säkularen Welt befolgt werden müssten. Auch die „Organisation für Islamische Zusammenarbeit“ fordert ständig islamische Zensurvorschriften für die ganze Welt, weil irgendwas aus dem Bereich des Islam zu karikieren, zu kritisieren rassistisch sei. Die 1990 in Kairo beschlossene Erklärung des Menschenrechts im Islam ordnet die Menschenrechte vollständig der Scharia unter, ist also eine Deklaration gegen die von der UNO deklarierten Menschenrechte.
Die Morde an Mitgliedern der Redaktion der französischen Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ brachte den direkten Einbruch des Islamrechtes in das säkulare Europa: denn in vielen islamischen Staaten steht auf Karikaturen wie sie in Charlie Hebdo von Mohammed veröffentlicht wurden, die Todesstrafe. So können im Iran gemäß Art. 513 des Strafrechts Beleidigungen der islamischen Religion mit Gefängnis oder Todesstrafe belegt werden. Es hat früher auch in Europa solche Gesetze gegeben, auf Blasphemie standen im Mittelalter auch hier schwere Strafen bis zum Tode am Scheiterhaufen. Aber das ist überwunden und auch der Islam muss das überwinden und damit leben, dass es verschiedene Weltanschauungen gibt und keine heiliger als eine andere ist, sondern alle die gleichen Rechte und Pflichten haben. Andere zu kritisieren, über andere zu spotten, gehört zu den Grund- und Freiheitsrechten, das müssen alle lernen, alle wissen. Wer gegen andere hetzt, sie ungerecht verleumdet, zur Gewalt aufruft, kann bestraft werden, aber wenn jemand einen Mohammed zeichnet, der einen Turban mit Zündschnur trägt, dann ist das eine Kritik zu realem Geschehen, die ertragen werden muss.
In den Islamstaaten gilt das Islamrecht: jeder in einer muslimischen Familie Geborene ist bereits durch die Geburt ein Muslim, es gibt keine Aufnahmeriten wie Taufe oder ähnlich. Wer ein Muslim ist, darf vom Glauben nicht abfallen, weil das Ziel des Islam müsse es sein, alle Menschen Allah zu unterwerfen, wenn alle Menschen Muslime wären, dann herrschte das islamische Friedensreich, genannt „Haus des Friedens“. Solange es Nichtmuslime gibt, gibt es das „Haus des Krieges“. Um den Weg zum „Haus des Friedens“ zu sichern, darf kein Muslim vom Glauben abfallen, weil dadurch er ja ins „Haus des Krieges“ gegen in Islam eintreten würde. Glaubensabfall wird daher mit dem Tode bestraft. Es gibt überraschenderweise nicht allzu viele Hinrichtungen deswegen, das hat seinen Grund darin, dass in den Staaten, wo in solchen Fällen die Todesstrafe tatsächlich droht, kaum jemand sein Leben vorsätzlich riskieren wird. Wie man z.B. von im Verborgenen durchgeführten Meinungsumfragen in Saudi Arabien weiß, gibt es jedoch dort nicht nur strenggläubige Muslime, sondern sogar um die fünf Prozent Atheisten und als „religiös“ bezeichneten sich nicht alle sondern nur 75 Prozent.
Änderungen sind im Islambereich trotzdem sehr schwierig. Die autoritären Traditionen, die autoritären Eliten und Führungen oder restaurative Bewegungen wie in der Türkei unter Erdogan werden Veränderung dort noch länger nicht möglich werden lassen. Aber in Europa mit seiner Meinungsfreiheit, seiner Religionsfreiheit soll es doch möglich sein, auch die hier lebenden Muslime dieser Welt zuzuführen und all den massiven Versuchen der konservativen und reaktionären islamischen Kräften entsprechend entgegenzutreten. Wer in Österreich und Europa seine Heimat hat und haben will, der soll nicht geistig gleichzeitig im Vormodernismus verweilen wollen und nicht versuchen, das Leben nach einem geistigen Mittelalter auszurichten.

Die liberalen Muslime versuchen in der Moderne friedlich mit ihren Mitmenschen zusammenzuleben und ihre Religion in eine zeitgemäße Form zu bringen, die mit der fortschrittlichen Welt kompatibel ist. Die liberalen Muslime glauben, dass Allah keine irdischen Helfer braucht, die ihn mit dem Schnellfeuergewehr vor Beleidigungen schützen müssen, wir glauben, dass das „Haus des Friedens“ nicht durch die Unterwerfung aller Menschen unter eine Religion erreicht wird, sondern dass die Kooperation aller Menschen in aller Interesse liegt und liegen muss. Ob man einen anderen Menschen schätzt, darf nicht davon abhängen, ob er an den gleichen Gott glaubt oder an einen anderen oder an gar keinen!

Dr. Amer Albayati irakischer Film- und Theaterwissenschaftler, Filmemacher, Journalist und Präsident der Initiative liberaler Muslime in Österreich, Mobiltelefon: 069910333243
Email: info@initiativeliberalermuslime.org, http://www.initiativeliberalermuslime.org

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