Wie lange dürfen Saudi Arabien und die Türkei als Post-Kolonialmächte auf die Geschicke der Muslime in Europa mit Hilfe des Politischen organisierten Islam einwirken?

Kommentar von Amer Albayati
Das wahabitische Saudi-Arabien hat durch seine Petrodollars seit Jahrzehnten den politisch organisierten Islam in Europa mit viel Geld in Millionenhöhe versorgt, vor allem die Muslimbruderschaft. Die direkte Einmischung der Türkei in die Geschicke der Muslime ist noch gefährlicher für die Zukunft..
Seyfi Bozkuş ist seit 20.6.2010 nicht nur Vorsitzender des türkischen Verein ATIB in Österreich, sondern als religiöser Beamter auch beim staatlichen türkischen Amt für religiöse Angelegenheiten (der höchsten islamischen Autorität der Türkei) das dem Ministerpräsidialamt des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan angegliedert ist) und in der türkischen Botschaft in Wien als Diplomat (Botschaftsrat) angestellt.
Dadurch vermischt er staatliche undreligiöse Aufgaben und übt als Beamter und Diplomat von staatlich behördlichen Einrichtungen der Republik Türkei Einfluss auf die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) aus, was gegen den in der österreichischen Bundesverfassung und durch die Rechtssprechung des österreichischen Verfassungsgerichtshof festgelegten Grundsatz der Trennung von Staat und Religion verstößt.
Das ist auch eine Einmischung der Türkei in die inneren Angelegenheiten Österreichs, was bereits Thema einer parlamentarischen Anfrage vom 11.Juli 2011 an den österreichischen Außenminister ist.
Auch die Feststellung von Bozkuş in seinem Interview vom 4.6.2011 mit der Tageszeitung „Die Presse „,ATIB sei nicht in erster Linie ein Integrationsverein, sondern ein religiöser Verein“ zeigt, dass die von dertürkischen Regierung ferngesteuerte ATIB an der Integration der Muslime in Österreich nicht interessiert ist.
Ähnliche Aussagen von Bozkuş gab es auch in Deutschland, wo er bis Frühjahr 2010 als Konsularattache für Religionsangelegenheiten tätig war.
ATIB verfolgt offenbar das Ziel auf Grund ihres türkischen Machtanspruches eine muslimische Parallelgesellschaft in Österreich und anderen europäischen Ländern unter Führung der Türkei zu errichten.
Zuletzt hat Bozkuş am 22.August 2011 die Forderung des Expertenrates im Integrationsstaatssekretariat des Bundesministerium für Inneres ein „Islam Forum“ zu gründen, das einen nachhaltigen Dialogprozess mit allen muslimischen Gruppierungen zur Unterstützung der Integrationsbemühungen der österreichischen Regierung führen soll, mit der Begründung abgelehnt, dass die IGGiÖ alle Muslime in Österreich ohnehin bereits vertreten würde und seit der Gründung „eine viel größere repräsentative Kraft“ habe als in Deutschland.
Solange die Muslime als Geisel diese andauernden Einflüsse bleiben und keine hier ändern will wird die Integration der Muslime in Europa weiter Scheitern.
Amer Albayati ist Islamexperte und Mitbegründer der Initiative Liberaler Muslime Österreich – ILMÖ und der beim Kultusamt beantragten neuen Islamischen Glaubensgemeinschaft. (www.initiativeliberalermuslime.org)

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